Berliner Frauenlauf 2013Samstag war’s mal wieder so weit: Frauenlauf im Berliner Tiergarten! Der Sponsor hatte großzügig Funktionsshirts verteilt und so war rosa, wohin man blickte.

Im Training war ich diese Woche die 5 km in 25 Minuten gelaufen. Wenn nicht alle Stricke reissen, dachte ich, knacke ich die 1-h-Marke auf 10 km. Dachte ich.

Voll war’s. Also erstmal Slalom-Laufen bis zum ersten Engpass, kurz vor Kilometer 1, Abbiegen an der Siegessäule. Hier dann richtig Stau mit Stop-and-Go.

Wichtigste Regel beim Frauenlauf: Träumen ist nicht

Ich bin froh da durch zu sein und hänge meinen Gedanken nach bis – wumms – ich auf der Nase liege. Das war die Absperrung.

Am Knie hängt die Hose in Fetzen. Erstmal weiter. Gucken, wie’s geht. Da kommt schon ein Wasserstand. Das Knie glänzt dunkelrot. Aua. Ich kippe einen Becher Wasser drüber und laufe weiter.

Oder lieber aufhören? Da hätte ich doch eine schöne Ausrede. Schließlich sollte das hier eher ein schneller Trainingslauf sein. Muss ich da wirklich die Heldin spielen? Aber worüber soll ich dann schreiben? Also weiter.

Geht doch

Trigirl IreneDie nächsten fünf Kilometer moppere ich vor mich hin: 18.00 Uhr am Samstag ist eine blöde Zeit; viel zu voll, überall Stolperstellen und heimtückische Mülleimer mitten im Weg. Und überhaupt!

Moment mal, ich mache das doch zum Spaß hier.

Das denken sich auch meine Mitstreiterinnen: Ringsum wird fröhlich geratscht und gequasselt. Mein Trigirl-Shirt scheint Gesprächsstoff zu liefern. “Ach, Triathlon. Stell dir vor, meiner Frauenärztin war Marathon zu langweilig, jetzt macht sie Ironman. Unglaublich!” Finde ich auch und muss lachen.

Kilometer 6 und ich laufe immer noch. Geht doch.

Unterstützung für den Frauenlauf: Gar nicht so selbstverständlich

MarathonWoman Kathrine SwitzerAm Start ist heute auch Kathrine Switzer, bekannt als Marathon Woman. Sie war die erste Frau, die 1967 den Boston Marathon gelaufen ist. Damals durften Frauen nicht Langstrecke laufen. Man dachte, ihnen würde die Gebärmutter verrutschen und ähnliches Zeug. Kathrine Switzer ist das Rennen zu Ende gelaufen, obwohl sie der Renndirektor aus dem Feld zerren wollte. Ihr Freund hat sich ihm in den Weg gestellt.

Damals war die Welt gespalten: Die einen waren für Kathrine, aber viele fanden es skandalös, dass Frauen länger als 800m laufen wollten. Für uns ist das so selbstverständlich. Hier hat jedenfalls keiner etwas dagegen, dass ich laufe. Im Gegenteil.

Bei Kilometer 7 singt eine Band “Here goes my lady. She knows how to rock and roll.” Oh ja, ich bin umgeben von Unterstützern bei diesem Frauenlauf. Männer, die den Fußball haben sausen lassen. Männer, die aus Solidarität rosa Leibchen tragen. Die am Rand stehen und jubeln.

Und besonders der Eine, der mich immer wieder ermutigt. Der sagt: “Klar schaffst du das”, wenn ich zweifle. Der auf die Kinder aufpasst. Und gerade noch coole Fotos von mir gemacht hat.

Ja, ich habe es richtig gut. Laufen tu ich alleine, aber mit so toller Unterstützung geht es viel leichter.

Ehrgeiz auf den letzten Metern

Avon Frauenlauf BerlinMit diesen frohen Gedanken biege ich auf die Zielgerade ein. Und hier, bei Kilometer 9,8, packt mich doch noch der Ehrgeiz. Ha, euch schnapp ich mir. Ich fliege an zwei, drei, fünf Mädels vorbei durch’s Ziel.

Die Uhr zeigt 01:11, das gibt 01:08 netto. Weit unter Bestzeit, aber mit Loch im Knie immerhin. Doch ein Grund zum Jubeln.

Und mal wieder die Erkenntnis: Es geht eben doch, wenn auch manchmal anders als man denkt.

Bis zum Berlin-Triathlon sind noch vier Wochen. Dann ist ein neuer Tag und wir werden sehen, wie es geht.

 

Comments are closed.